Nuclear for climate? COP 23 vom 6. bis 17.11. 2017

Einige Monate haben wir uns als Kampagne auf dieses Event vorbereitet. Webseite, Infomaterial, Petition, Aktions- und Demo-Planung erforderten intensive internationale, und innerhalb Deutschlands organisationsübergreifende Planung und Absprache.

 

Die Beteiligung am Peoples' Climate Summit (PCS), am Tribunal for the Rights of Nature, eigene Info-Events und Aktionen hielten uns in der ersten Woche auf Trab. Das Verteilen von Infomaterial vor der Bula-Zone (Verhandlungszone) sahen die dort positionierten und schwer bewaffneten Polizisten nicht gern. Von einem UNFCCC Mitarbeiter dagegen wurden wir  äußerst höflich und dankbar empfangen. Immer wieder erfuhren wir von Delegierten, die unsere Info entgegennahmen, dass sie sich gegen Atomkraft als Klimaretter aussprechen. So waren einige von uns in der ersten Woche im Wesentlichen außerhalb der Verhandlungszonen aktiv, andere mit  Akkreditierung für Bula Zone auch immer wieder innerhalb (Pressekonferenz).  Am 11.11. waren wir zudem Teil der großen Demonstration für Kohle und Atomausstieg (Video).

COP23 Bild2Den „Einstieg“ in unsere Aktivitäten in der Bonn-Zone schafften wir mit der Begegnung der „Graswurzelinitiative“ Nuclear for Climate, die über vereinigte Lobbyvereine der Atomindustrie akkreditiert war. Diese jungen „AktivistInnen“ schaffen es mit einer unglaublichen Beharrlichkeit, sämtliche Katastrophen der nuklearen Kette auszublenden, nur den Betrieb der Reaktoren in ihre Betrachtungen zum CO2 Ausstoß einzubeziehen und Atomkraft damit, ganz nach IAEA-Manier, gleich nach Wind und Solarenergie zu platzieren. Während dieses (aufgrund unserer Intervention) durchaus emotionalen Side-Events „lernte“ ich, dass die gute Luft Frankreichs nur auf den massiven Einsatz der Atomenergie zurückzuführen wäre, Frankreich keinerlei Uran aus dem Niger beziehen würde, dass zukünftige Reaktor-Generationen uns von der Last des Atommülls befreien würden, und das nötige Uran aus den Ozeanen entnommen werden könnte. Ich regte an, doch erstmal den verklappten Atommüll aus der Biskaya zurückzuholen. Mehrere Kartons unseres Infomaterials fanden allerdings reißenden Absatz! Das Podium schien nicht glücklich darüber.

COP23 Bild3Ein großer Teil der Bonn-Zone war mit Pavillons verschiedener Länder bestückt: Fiji als Präsidentin des COP direkt am Eingang, Deutschland, EU, Frankreich, China in unmittelbarer Nähe. Den russischen Pavillon fanden wir auf unserem Weg zum Rosatom Side-Event im hinteren Teil des Zeltbaus. Auch hier erfuhren wir, dass die Atomindustrie ein Teil der Lösung des Klimawandels sein sollte, die Zahlen ähnlich, die Geschichte des russischen Atomriesen allerdings genauso verseucht wie die Gebiete, in denen sie operieren. Wieder waren wir zahlreich vertreten und intervenierten mit Fragen und Statements. Makoma Lekalakala, unsere Mitstreiterin aus Südafrika, sprach die Situation (und den Knebelvertrag mit Rosatom) in ihrem Land an, und musste sich belehren lassen: „Man müsse ja alle Stimmen hören, schließlich haben die Südafrikaner sich damals schon (während der Apartheid) für die Atomenergie entschieden“. So ging das die kommende Woche weiter: IAEA Side-Event  „Clean Energy“, Rosatom zu  „Energy Solutions“ - immer wieder Atomkraft als Teil der Lösung.

COP23 Bild4Unser Info-Punkt in der Bonn-Zone war ab dem 12.11. durchgehend besetzt. Vandana Shiva unterstützte uns tatkräftig per Videobotschaft. Ein Großteil unserer BesucherInnen empörte sich über den Infostand von Nuclear for Climate und stattete sich mit Anti-Atom-Sonnen aus. Der indische Pavillon, nur einige Meter von uns entfernt, war für unseren indischen Mitstreiter Kumar Sundaram mehr als ein Dorn im Auge. Wir intervenierten während einer Yoga Session : „Yoga hilft gegen Strahlung“ so die indische Regierung.

Der Besuch des österreichischen Umweltministers lässt uns wiederum „voller Zuversicht“ auf das zweite Halbjahr 2018 schauen: Er versprach, dass sich die österreichische EU-Ratspräsidentschaft gegen Atomkraft einsetzen werde. Bis dahin werden wir uns auf kommende Herausforderungen konzentrieren, unsere internationale Zusammenarbeit weiter ausbauen. Vor allem werden wir Menschen in den sogenannten Schwellenländern, die mit IAEA-LobbyistInnen und ihren HandlangerInnen konfrontiert sind, darin unterstützen, sich der Atomindustrie in den Weg zu stellen. Ein wesentlicher Teil für uns in Deutschland wird die weitere Auseinandersetzung um die Urananreicherung in Gronau und die Brennelementefertigung in Lingen sein. Auch dafür haben wir weitere Unterstützung eingefordert.

COP23 Bild1Abschließend können wir sagen, dass unsere Kampagne in vielerlei Hinsicht Einfluss genommen hat, und besonders auch allen international Beteiligten Unterstützung und Zuversicht auf weitere Zusammenarbeit gab. Wir können für uns beanspruchen, die Grassroots zu sein, und auch Emotionalität ist mehr als angebracht vor dem Hintergrund des Desasters das die Atomindustrie bereits jetzt hinterlassen hat. Davon brauchen wir nicht noch mehr!
Nach wie vor ist Atomkraft nicht im Regelwerk des Pariser Klimaschutzabkommens aufgeführt, und das ist gut so. Atomkraft ist pleite und tot. Don’t nuke the climate!

Günter Hermeyer, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg